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8. August 2026

„Was werden Sie tun, wenn Sie in die Türkei zurückkehren?“ / „Sterben!“

von Deniz Arslan

In den 1950er und 1960er Jahren wurden gezielt Menschen angeworben, um in Deutschland zu arbeiten. In Folge des Wirtschaftsbooms in der Nachkriegszeit fehlten Arbeitskräfte und so wurden Verträge zur Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte geschlossen: Italien (1955), Spanien und Griechenland (1960), der Türkei (1961) und weiteren Ländern. Arbeitslosigkeit wurde die Anwerbung 1973 mit dem sogenannten Anwerbestopp beendet.

Bundeszentrale für politische Bildung

Warum verlässt ein Mensch das Land, in dem er geboren und aufgewachsen ist, um anderswo zu leben? Es gibt auf diese Frage viele mögliche Antworten, doch ihr gemeinsamer Nenner ist vermutlich, dass diejenigen, die gingen, einem Traum folgten. Jeder Mensch hat natürlich seinen eigenen Traum. Träume unterscheiden sich in ihrer Intensität, ihrer sozialen Herkunft, ihren Ansprüchen und ihren Inhalten. Wie viele andere Migrant:innen wurden auch diejenigen, die aus der Türkei, aus Griechenland, Italien, Jugoslawien, aus Nordafrika und aus vielen anderen Regionen der Welt nach Deutschland gezogen sind, von einem solchen Traum angetrieben. Die Details dieser Träume mochten sich voneinander unterscheiden, doch eines hatten sie alle gemeinsam: die Hoffnung auf ein besseres Leben. Ein gutes Leben – nicht nur für sich selbst, sondern auch für diejenigen, die sie mitgebracht hatten, die sie zurücklassen mussten, ja sogar für jene, die noch gar nicht geboren waren.

Von wenigen Ausnahmen abgesehen, kamen die sogenannten Gastarbeiter:innen nach Deutschland, weil die Armut in ihrer Heimat erdrückend geworden war. Weil die winzigen Felder, die nach zahllosen Erbteilungen übriggeblieben waren, selbst dann nicht für die ganze Familie gereichten hätten, wenn auf ihnen Gold gewachsen wäre. Weil sie wussten, dass sie ihr Leben nicht in den Fabriken ihrer noch nicht vollständig industrialisierten Herkunftsländer verbringen konnten – ohne Versicherung, ohne Anmeldung, manchmal schlichtweg nur für ein Stück Brot. Und weil das Ideal der Chancengleichheit sich zwar am Horizont abzeichnete, aber die riesigen ländlichen Räume ihrer Heimat noch lange nicht erreicht hatte.

Man darf dabei eines nicht vergessen: Sie sahen Deutschland als eine Chance. So wie Deutschland sie als eine Chance sah.

Die meisten von ihnen wollten nur für ein paar Jahre kommen, arbeiten, etwas Geld für ein Stück Land, einen Traktor oder ein Haus zurücklegen und dann wieder zurückkehren. Und in der Tat gab es auch diejenigen, die genau das taten. Aber manche – viele – konnten nicht zurückkehren, oder kehrten schlicht nicht zurück. Die Gründe dafür wären ein eigenes Thema, doch dieses endgültige Bleiben wirkte wie eine nachträglich eingeführte Spielregel, die das mühsam austarierte Gleichgewicht völlig durcheinanderbrachte. Es stellte sowohl die Gastgeber als auch die Gäste vor eine unerwartet schwierige Situation.

Die Absicht der Gastgeber, die sie von Anfang an „Gastarbeiter“ nannten, war klar. Ein Gast ist per Definition jemand, der kommt, um wieder zu gehen, sobald der Besuch vorbei ist. Die Zugewanderten sollten kommen, in den ihnen zugewiesenen Fabriken arbeiten, in Wohnheimen schlafen, am sozialen Leben des Landes nach Möglichkeit nicht teilnehmen und, sobald man sie nicht mehr brauchte, Deutschland ihren Dank aussprechen und in ihre Heimatorte zurückkehren. Auch ihre eigene Rechnung unterschied sich im Grunde gar nicht so sehr davon. Aber wie es in einem türkischen Sprichwort heißt:

Die Rechnung zu Hause geht auf dem Markt oft nicht auf.

Im Film „Almanya Acı Vatan / Deutschland, bittere Heimat“ wird dem Gastarbeiter, der von der Berliner Regierung als bester Straßenkehrer ausgezeichnet wird, während der Preisverleihung die Frage gestellt, was er tun werde, wenn er in die Türkei zurückkehre. Der Mann antwortet: „Was ich machen werde? Ich werde sterben!“ Der Dolmetscher sagt daraufhin auf Türkisch zu ihm: „Das kann ich so nicht übersetzen, sag bitte etwas Schönes.“

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