Über das Zentrum
Im Gedenken an:

Ins Solidarität mit den Angehörigen der Toten; den Überlebenden der Sprengstoffanschläge in Köln und Nürnberg und weiteren Betroffenen der Sprengstoffanschläge, die heute nicht mehr leben; den Bedrohten und Verletzten der Raubüberfälle in Chemnitz, Zwickau, Stralsund, Arnstadt und Eisenach und dem Überlebenden des Anschlags in Heilbronn.
Zu den Biografien der Mordopfer des NSU.
Willkommen im Dokumentationszentrum zum NSU-Komplex
Im Gedenken an die Opfer des NSU-Komplexes wurde im Mai 2025 – dem Jahr, in dem Chemnitz Kulturhauptstadt Europas ist – ein Dokumentationszentrum zum NSU-Komplex eröffnet.
Zusammen mit der Wanderausstellung Offener Prozess entstehen Bildungs- und Vermittlungsangebote, ein Forschungsbereich, ein Archiv sowie ein Versammlungsort – die Assembly.
Das Pilotvorhaben basiert auf langjährigen Vorarbeiten der sächsischen Zivilgesellschaft; maßgeblich beteiligt waren und sind die Vereine RAA Sachsen sowie ASA-FF mit dem Projekt Offener Prozess. Umgesetzt wird die Entwicklung in Kooperation mit der Initiative Offene Gesellschaft (IOG) aus Berlin.
Was ist der NSU-Komplex?
Zwischen 2000 und 2007 ermordete der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) 10 Menschen.
Bei Sprengstoffanschlägen und Raubüberfällen wurden viele weitere Menschen schwer verletzt und traumatisiert. Die Ermittlungen kriminalisierten häufig die Betroffenen selbst.
2011 enttarnte sich der NSU selbst. Bis heute ist der NSU-Komplex nicht vollständig aufgeklärt.
Traumata, Angst und Leid prägen bis heute das Leben der Angehörigen der NSU-Mordopfer und der Betroffenen der Anschläge. Das Ausbleiben einer konsequenten staatlichen Aufarbeitung, rassistische Anfeindungen und gesellschaftliche Ignoranz haben tiefe Wunden hinterlassen.
Vor allem dem Engagement der Betroffenen, ihrer Kraft und ihrem Widerstand ist es zu verdanken, dass Bewegung in die Aufarbeitung kam. Dank jahrelanger zivilgesellschaftlicher Arbeit gibt es diesen Ort. Hier ist Raum, um der Opfer des NSU zu gedenken, den Betroffenen zuzuhören und den NSU-Komplex gemeinsam weiter aufzuarbeiten.

Was ist das Dokumentationszentrum?
Im Mai 2023 erschien die „Konzeption- und Machbarkeitsstudie eines Dokumentationszentrums zum NSU-Komplex in Südwestsachsen“. Diese entstand als Kooperationsprojekt zwischen den Vereinen RAA Sachsen in Dresden und dem ASA-FF in Chemnitz. Die Studie wurde von Jörg Buschmann, Dana Schlegelmilch und Hannah Zimmermann verfasst.
Zusammenfassend kamen die Autor:innen der Studie zu folgenden Ergebnissen:
- Die Studie schlägt eine Einrichtung vor, die ausgehend von Betroffenenperspektiven solidarische Allianzen stärkt, marginalisierte Perspektiven mit Kunst und Wissenschaft sichtbar macht und Wissen vermittelt, erweitert und bewahrt.
- Als Standorte empfiehlt die Studie Chemnitz und Zwickau: Beide bilden einen gemeinsamen Erfahrungsraum, in dem sich der NSU formieren und agieren konnte.
- Das Vorhaben ist als Knotenpunkt in einem bundesweiten Aufarbeitungsnetzwerk konzipiert. Den geeigneten Rahmen für dessen Betrieb bietet eine privatrechtliche Stiftung, an die auch weitere Aufarbeitungsinitiativen anknüpfen können.
Das Haus „Offener Prozess“ in Chemnitz ist als Labor für ein Dokumentationszentrum gedacht, welches später in ein bundesweites Verbundsystem integriert werden soll; ein Vorschlag aus der im Februar 2024 erschienenen Machbarkeitsstudie von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). Demnach soll es mittel- bis langfristig mehrere Dokumentations- und Gedenkorte geben. Finanziert wird und wurde das Zentrum in Sachsen mit Steuermitteln aus dem vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushalt.
Wesentliche Module des Projektes sind ein Archiv, die Assembly (auf Deutsch: Versammlungsort) und die preisgekrönte Ausstellung „Offener Prozess“ mit ihrem Diskurs- und Vermittlungsprogramm.
Archiv, Assembly & Ausstellung

„Offener Prozess – ein Dokumentationszentrum zum NSU-Komplex in Sachsen“ wurde auch als Archiv, also als ein Ort des aktiven Bewahrens und Erforschens geplant.
Hier sollen Dokumente und Materialien gelagert werden, um später tiefergehende Recherchen und Analysen zu ermöglichen.
Die Einrichtung soll ein Ort sein, in dem sich Aktivist:innen und Betroffene von rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt treffen und austauschen können.
Die Räumlichkeiten sollen der Bildungsarbeit, Partizipation und Selbstermächtigung dienen. Zudem werden die Angehörigen der Opfer des NSU-Komplexes in den Prozess der Entstehung des Pilotvorhabens bestmöglich eingebunden. Dieser Teil heißt daher Assembly – also Versammlung.


Im Mittelpunkt steht die Ausstellung „Offener Prozess“, die in den letzten Jahren bundesweit unterwegs war.
Die Ausstellung dokumentiert die Geschichte migrantischer Widerstände in Deutschland, erzählt von den Kämpfen der Angehörigen der Opfer des NSU-Komplexes und berücksichtigt dabei insbesondere ostdeutsche migrantische Lebensrealitäten.
Die Hauptaufgabe von Offener Prozess
Unser Ziel ist, den NSU-Komplex, seine gesellschaftlichen Verstrickungen und seine Folgen für die Angehörigen und Betroffenen für ein breites Publikum verständlich aufzubereiten. Wir wollen die gesellschaftliche Auseinandersetzung zum NSU-Komplex fördern und verstehen das Projekt als Beitrag zum Gedenken an die Opfer des NSU.
Wir haben dazu unter anderem eine Ausstellung entwickelt, die stetig erweitert wird. Diese schafft einen Raum für Begegnung und Bildung. Als Begleitwerk haben wir ein Methodenhandbuch und einen Ausstellungskatalog herausgegeben.
Offener Prozess vernetzt sich mit bestehenden Aufarbeitungsinitiativen und bezieht deren langjährige Arbeit ein. Das Projekt soll ein Beitrag zu einem lebendigen Erinnern sein, in dem für die Perspektiven der Betroffenen rechter und rassistischer Gewalt sensibilisiert wird und die Kontinuitäten und Entstehungsbedingungen rechtsterroristischer Strukturen ausgeleuchtet werden.
Warum Chemnitz?
Auf diese Frage antwortet Gamze Kubaşık, Tochter des ermordeten Mehmet Kubaşık:

„Die Stadt Chemnitz spielt eine große Rolle in der NSU-Mordserie.
Hier fühlten sich die Täter:innen sicher und tauchten jahrelang unter.
Hier planten sie auch den Mord an meinem Vater. Die Unterstützung der lokalen Neonazi-Szene befähigte sie in ihren Machenschaften und bestärkte sie in ihrer Ideologie. Chemnitz muss sich mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen und diese aufarbeiten.
Daher ist es von hoher Wichtigkeit, hier an die Opfer zu erinnern und einen Raum für politische Bildungsarbeit in dieser Stadt zu errichten.
Im Rahmen des Kulturhauptstadt-Jahres in Chemnitz ist das Dokumentationszentrum zum NSU-Komplex eine besondere Gelegenheit, um internationale Aufmerksamkeit für das Thema zu erlangen – eine Chance, aus dem Prozess zu lernen, damit das bundesweite Dokumentationszentrum ein Erfolg wird.“