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Statement der Geschwister Boulgarides
Zur Aufnahme Beate Zschäpes in das Neonazi-Aussteigerprogramm
München, 6. August 2025
Ich, Mandy Boulgarides, Tochter von Theodoros Boulgarides, der 2005 in München durch den
rechtsterroristischen NSU ermordet wurde, bin erschüttert und wütend über die Nachricht, dass Beate
Zschäpe – verurteilte Mittäterin der NSU-Mordserie – in ein Neonazi-Aussteigerprogramm
aufgenommen werden soll.
Dieses Vorhaben ist ein Skandal. Es zeigt erneut, wie dieser Staat Täter schützt, ihnen Wege öffnet
und „Resozialisierung“ ermöglicht – während wir Hinterbliebenen, Überlebenden und Angehörigen
seit Jahren ignoriert, vertröstet und im Stich gelassen werden.
Zschäpe wurde zu lebenslanger Haft mit besonderer Schwere der Schuld verurteilt. Dennoch scheint
genau das nun durch die Hintertür aufgeweicht zu werden – durch ein mit Steuergeldern finanziertes
Programm, das ausgerechnet einer ideologisch gefestigten Rechtsterroristin offensteht.
Beate Zschäpe hat ihr Recht auf Hilfe durch den Staat verwirkt – so wie es mit jeder Person
geschehen muss, die extremistischen oder terroristischen Strukturen hilft, sich daran beteiligt oder
Taten begeht. Der Rechtsstaat darf nicht zum Fürsorgestaat für Täter werden, während er die
Opfer alleinlässt.
Diese Frau zeigte über zwei Jahrzehnte keinerlei Reue, diente der Aufklärung in keiner Weise und
hat sich auch im Prozess nie wirklich zu ihrer Verantwortung bekannt. Stattdessen klagte sie in ihrer
Aussage über ein trauriges Weihnachten – weil sie keine Geschenke bekommen hatte – während
ihre Komplizen Mundlos und Böhnhardt davor und danach Menschen ermordeten. Dieses Maß an
Selbstmitleid, Realitätsverweigerung und moralischer Kälte ist erschütternd – und es ist nicht
rehabilitierbar durch ein staatlich finanziertes Programm.
Während Zschäpe auf unsere Kosten psychologische Betreuung, Schutz und neue Perspektiven
erhält, kämpfen wir, die Betroffenen, bis heute alleine. Es gibt keine flächendeckende
psychologische Hilfe, keine sichere finanzielle Unterstützung, keinen Rechtsbeistand, keine aktive
politische Begleitung – nur Bürokratie, Wegsehen und Gedenkworte, wenn es gerade passt.
Der politische Umgang mit dem NSU ist und bleibt ein Armutszeugnis für diesen Staat. Bund und
Länder haben versagt. Sie haben versagt in der Aufklärung, sie haben versagt im Schutz vor rechtem
Terror, sie haben versagt in der Anerkennung und Unterstützung der Betroffenen.
Wir als Familie verachten diese Entscheidung. Sie ist Ausdruck einer Politik, die Täter integriert
und Opfer marginalisiert. Die respektlose Behandlung von Hinterbliebenen geht weiter – kühl,
kontrolliert, aber konsequent.
Wir fordern:
Eine konsequente und nachhaltige Unterstützung für Opfer rechter Gewalt – psychologisch,
rechtlich, finanziell und institutionell.
Eine sofortige Offenlegung und unabhängige Prüfung der Entscheidung, Beate Zschäpe in ein
Aussteigerprogramm aufzunehmen.
Einen sofortigen Stopp jeglicher Vergünstigungen oder Hafterleichterungen für sie.
Eine klare politische und juristische Haltung: Wer sich an terroristischen Strukturen beteiligt,
verliert das Anrecht auf staatliche Fürsorge.
Solange Täter geschützt und versorgt werden,
während wir schweigend weitermachen sollen, ist von Gerechtigkeit keine Rede.