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Programm

Wie erinnert sich „Der Osten“?

Eine Fishbowl-Diskussion der vielfältigen Erinnerung(en)

Über 30 Jahre nach der Wiedervereinigung wird immer noch intensiv über die ostdeutsche Wende-Zeit gesprochen. Was wir erinnern wollen und was wir erinnern müssen, verändert sich ständig – weil heute mehr und vielfältigere Stimmen zu hören sind. Erinnerungen sind dabei oft nicht klare Geschichten, sondern Bilder, Gefühle und persönliche Erfahrungen.

In der Fishbowl-Diskussion – einem dynamischen Stuhlkreis-Format – laden wir alle Gäste ein, mit zu diskutieren. Im Mittelpunkt stehen Fragen wie: Wie verändern persönliche Erlebnisse unsere Sicht auf die Vergangenheit? Wie verarbeiten wir Geschichte künstlerisch? Wie halten Archive Erinnerungen fest? Dabei geht es nicht um historische Details, sondern um die subjektiven Eindrücke und Deutungen dieser Zeit. Im Laufe des Abends produzieren vielfältige Stimmen neue, wichtige Bilder, die unser gemeinsames Erinnern prägen.

Gäste der Fishbowl:

Julia Oelkers ist freie Journalistin, Dokumentarfilmerin und Redakteurin für Onlinekommunikation. Ihre journalistische Arbeit konzentriert sich auf zeitgeschichtliche Dokumentarfilme und Webdokumentationen. Wiederkehrende Themen ihres Werks sind Rassismus, Flucht und Migration. Die Webdokumentation „Gegen uns – Betroffene im Gespräch über rechte Gewalt nach 1990 und die Verteidigung der solidarischen Gesellschaft“ (gegenuns.de) wurde mehrfach ausgezeichnet. Zu Migrant*innen in der DDR realisierte sie gemeinsam mit Isabel Enzenbach zwei Onlineprojekte: Eigensinn im Bruderland – eine Webdokumentation über Migrant*innen in der DDR, die eigene Vorstellungen und Lebenswege behaupteten – wurde 2020 mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet (Bruderland.de). De-Zentralbild präsentiert private Fotos und persönliche Geschichten von Migrant*innen in der DDR in Form einer Online-Ausstellung. Das Projekt stand 2024 auf der Shortlist für den DigAMus Award und ist für den Grimme Online Award nominiert (dezentralbild.de). Julia Oelkers lebt und arbeitet in Berlin.

Minh Duc Pham ist Künstler und Performer. Er studierte Ausstellungsgestaltung an der HfG Karlsruhe sowie Performance Studies und Designtheorie an der UdK Berlin. In seiner künstlerischen Praxis bewegt er sich zwischen Bildender und Darstellender Kunst. Dabei thematisiert er Fragen von Identität und verhandelt diese an den Schnittstellen von Gender, Race und Klasse. Seine Arbeiten wurden unter anderem im Museum der Bildenden Künste Leipzig, im Stadtmuseum Dresden und zuletzt im Haus der Kulturen der Welt ausgestellt. Er wirkte darüber hinaus in diversen Theater- und Performanceproduktionen mit, darunter Die Große Klassenrevue am HAU1, Home Away From Home im Cloud Gate Theatre in Taipeh und Semiotiken der Drecksarbeit am Mousonturm Frankfurt. Pham erhielt Stipendien, u.a. von der Kunststiftung Baden-Württemberg, der Senatsverwaltung für Kultur und Europa Berlin und dem Fonds Darstellende Künste.

Angelika Nguyen ist Autorin und Dokumentarfilmerin. Geboren und aufgewachsen in der DDR, studierte sie Filmwissenschaft in Potsdam-Babelsberg, drehte 1991 den Dokumentarfilm Bruderland ist abgebrannt über die Lage vietnamesischer Immigrant*innen in Ostberlin, schrieb 2011 den Essay Mutter, wie weit ist Vietnam? über den Rassismus in ihrer Kindheit, 2018 den Artikel Doppelt heimatlos? über Ostdeutsch- und Migrantisch-Sein für Zeit Online, 2021 den Bericht Maikäfer flieg über die Entstehung ihres Dokumentarfilms in dem Buch Was wir filmten – Filme von ostdeutschen Regisseurinnen nach 1990 bei Bertz & Fischer, 2024 den autobiographischen Text Das Foto für Neue Rundschau bei S. Fischer. Angelika Nguyen ist tätig als Autorin, Kuratorin und Filmjournalistin.

Moderation:

Anne Ramstorf ist Journalistin und Autorin – geboren 1991 in Ost-Berlin – und arbeitet unter anderem für Der Spiegel und den Deutschlandfunk. In ihren Texten und Podcasts beschäftigt sie sich immer wieder mit Fragen von Herkunft, Identität, gesellschaftlichen Brüchen, sozialer Gerechtigkeit und Geschichten aus Ostdeutschland. Besonders im Fokus stehen ostdeutsche Perspektiven, die in der gesamtdeutschen Medienlandschaft oft keinen Platz finden. In dem Buch „Ostflimmern: Wir Wende-Millennials“ teilen sie und andere Autor:innen ihre Erfahrungen als Nachwende-Kinder. Ramstorf beschreibt darin den Moment, in dem ihr bewusst wurde, dass sie ostdeutsch ist – in einem vereinten, aber nicht gleichen Land.

Die Veranstaltung findet in deutscher Sprache statt. Verdolmetschung bei Bedarf möglich, bitte anfragen.

Hinweis: Die Veranstaltung wird für auditiv aufgenommen. Teilnehmende bleiben anonym.

Eintritt frei. Eine Veranstaltung in Kooperation mit Pochen – ein Projekt der Spinnerei e.V.

Wann

  • Do., 03. Juli
    18:30 - 20:30 Uhr

Wo

  • Offener Prozess - ein Dokumentationszentrum zum NSU-Komplex
    Johannisplatz 8
    09111 Chemnitz

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E-Mail: info@offener-prozess.de