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Pressemitteilung: Dokumentationszentrum zum NSU-Komplex öffnet erneut für Stadt und Region
Nach dem Kulturhauptstadtjahr richtet sich das Dokumentationszentrum zum NSU-Komplex in Chemnitz neu aus. Unter neuer Geschäftsführung versteht sich der Ort künftig stärker als offener Diskursort für Stadt und Region: Mit angepassten Öffnungszeiten, erweiterten Bildungsangeboten und dem Anspruch, auch jenseits des Eventjahres ein relevanter Anlaufpunkt zu bleiben.
Mit der neuen Geschäftsführung durch Dr. Nora Krzywinski und Esther Gerstenberg verbindet sich eine inhaltliche Öffnung des Hauses. Ziel sei es, das Dokumentationszentrum stärker als einen Treffpunkt bekannt zu machen, der von unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen genutzt wird – sowohl innerhalb der Stadt Chemnitz als auch im Umland, etwa im Erzgebirge.
Esther Gerstenberg begleitete das Projekt seit 2024 und ist nun Geschäftsführerin von Offener Prozess gGmbH. Sie formuliert ihr Ziel für das Projekt:
„Das Dokumentationszentrum soll ein Ort der Begegnung für die Stadtbevölkerung werden. Ein sogenannter dritter Ort, an dem Menschen zusammenkommen, diskutieren und sich austauschen können.“
Um diese Öffnung zu ermöglichen, wurden unter anderem die Öffnungszeiten angepasst, sodass auch berufstätige Menschen Veranstaltungen besuchen können. Gleichzeitig wird das Bildungs- und Veranstaltungsprogramm weiterentwickelt und thematisch breiter aufgestellt. Die Chemnitzerin sagt weiter:
„Unser Anspruch ist es, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen. Ältere Menschen aus der Region ebenso wie junge Leute, lokale Initiativen ebenso wie überregionale Gäste.“
Ein erstes Beispiel für diese thematische und gesellschaftliche Öffnung ist eine Lesung am 7. Februar 2026 im Dokumentationszentrum. Hier erzählen „die Ältesten“ aus der Chemnitzer Stadtgesellschaft von ihrem Leben.
Die Veranstaltung steht exemplarisch für das Selbstverständnis des Hauses als offener Raum für Austausch und unterschiedliche gesellschaftliche Erfahrungen.
So sollen auch Erinnerungen an die Baseballschlägerjahre im Kontext des NSU im Rahmen eines Oral-History-Projektes durch den Fachbereich Sammeln + Teilen beleuchtet werden. In Kooperation mit dem Alten Gasometer e.V. in Zwickau werden darüber hinaus gemeinsame Wege der Aufarbeitung und Erinnerungsarbeit in Chemnitz und Zwickau beschritten. Für diesen Zweck wurde eigens eine Stelle eingerichtet. Auch die Zusammenarbeit mit den Angehörigen der Mordopfer wird im Rahmen eigener Veranstaltungsreihen ausgebaut.
„Neben dieser Öffnung bleibt das Dokumentationszentrum ein Ort der politischen Bildungsarbeit und fachlichen Auseinandersetzung mit dem NSU-Komplex“, so Dr. Nora Krzywinski, die das Projekt bereits als Geschäftsführerin des lokalen Vereins ASA-FF e. V. begleitet hat. Sie beschreibt weitere Aufgaben für das junge Jahr 2026:
„Die Begleitung des aktuell laufenden zweiten NSU-Prozesses ist dabei Teil der kontinuierlichen Arbeit, lokale Expertise zu bündeln und öffentlich zugänglich zu machen. Gleichzeitig laden wir weiterhin Schulklassen und andere Gruppen dazu ein, das Haus zu besuchen, aus der Geschichte zu lernen und an die Opfer und Überlebenden zu erinnern.“