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Neuigkeiten

31. Juli 2026

Das Archiv: Ein lebendiger Ort?!

Mehr als Akten und Ordner

von David Muñoz Aristizábal

Ein Archiv – das klingt nach Staub, Stille und verschlossenen Regalen. Das Archiv von „Offener Prozess“ ist das Gegenteil davon. Es ist ein lebendiger Ort, der wächst, sich verändert und von Menschen mitgestaltet wird – längst kein abgeschlossenes Projekt! 

Im Mittelpunkt steht eine einfache, aber politisch aufgeladene Frage: Wessen Geschichten wird erinnert? Staatliche Archive reproduzieren oft die Perspektive der Mehrheitsgesellschaft. Unser Archiv setzt dem bewusst etwas entgegen: Es sammelt die Erfahrungen von Menschen, die in offiziellen Akten marginalisiert oder schlicht vergessen wurden: Betroffene rechter und rassistischer Gewalt, widerständige Stimmen, migrantische Lebensrealitäten in Ostdeutschland und viele weitere.

Was ist ein Living Archive?

Das Konzept des Living Archive – des lebendigen Archivs – bricht mit dem klassischen Modell der Aufbewahrung. Hier geht es nicht darum, Originale hinter Glas zu stellen. Es geht um Prozesse, Partizipation und die Frage, wie Vergangenheit und Gegenwart miteinander sprechen.

Für uns bedeutet das:

  • Gemeinschaft im Fokus: Das Archiv lebt vom Mitmachen. Betroffene Communities verwalten und dokumentieren ihre Geschichte selbst.
  • Multimediale Vielfalt: Neben physischen Objekten umfasst das Archiv digitale Aufzeichnungen, Social-Media-Inhalte, Oral-History-Interviews und sogar verkörpertes Wissen wie mündliche Überlieferungen. 
  • Gegenwart & Zukunft: Geschichte wird nicht ein für alle Mal festgeschrieben, sondern immer wieder neu gelesen und kritisch hinterfragt.

Ein Foto, ein alter Flyer, ein aufgezeichnetes Gespräch oder sogar ein gemaltes Bild: Das alles sind die Bausteine, aus denen im Lebendigen Archiv ein Gegenbild zur offiziellen Erinnerungskultur entsteht – ein spannendes Lernlabor für unsere Gesellschaft.

Auch du kannst beim Living Archive mitmachen!

Gerade läuft eine intensive Sammlungskampagne mit den Schwerpunkten NSU-Komplex, rechter Terror, Rassismus, und besonders: das migrantische und widerständige Ostdeutschland. Denn der Mythos, Ostdeutschland habe keine migrantische Geschichte, stimmt nicht. Unser Archiv will das belegen.

Gesucht werden keine spektakulären Museumsstücke, sondern Erinnerungen, die Geschichten erzählen:

  • Fotos, Briefe, Tagebücher, persönliche Alltagsgegenstände.
  • Flyer, Plakate, Mitschnitte aus Workshops oder Erzählcafés.
  • Wissenschaftliche Arbeiten (z. B. Haus- oder Abschlussarbeiten) zu den Themen.
  • Aufgezeichnete Interviews mit Zeitzeug:innen (Oral History).

Dabei musst du deine Originale nicht dauerhaft abgeben – oft reicht ein Foto oder ein digitaler Scan. Was zählt, ist das Wissen, das darin steckt.

Mach mit! Das Archiv lebt davon, dass es mitgestaltet wird. Wenn du Material hast, das zu diesen Themen passt – oder wenn du einfach neugierig bist, was im Archiv zu finden ist, dann melde dich gern oder komm zum Forschen vorbei. Du bist herzlich willkommen!

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