Assembly
Epistemische Gerechtigkeit1 als politischer Gegenraum
Die Assembly ist ein offener Raum für Austausch, Kunst und gesellschaftliche Veränderung. Sie ist ein politischer Gegenraum: Ein Ort für Menschen, die sich für Gerechtigkeit einsetzen und das lange institutionelle Schweigen2 aktiv brechen wollen. Wir verbinden Kunst, Gemeinschaft und strategische Vernetzung, damit aus Ohnmacht kollektives Handeln entstehen kann.
Die Assembly ist der Ort, an dem aus Erinnerung Handlung und aus Ohnmacht Zukunft wird.
Warum braucht es die Assembly?
Viel zu lange blieben die Geschichten und das Wissen vieler Menschen ungehört. Offizielle Strukturen und rassistische Wissensordnungen – wie wir sie im Zuge des NSU-Komplexes schmerzhaft erleben mussten – haben Betroffene systematisch übersehen, ignoriert und zum Schweigen gebracht. Marginalisierte Gruppen wurden oft zu Objekten staatlicher Kontrolle degradiert, statt als Akteur*innen ihrer eigenen Geschichte und mit einer selbstbestimmten Stimme anerkannt zu werden. Die Assembly will diese Dynamik radikal umkehren: Weg von einer Logik, in der staatliche Institutionen festlegen, welches Wissen Relevanz besitzt, und hin zu einer bedingungslosen Anerkennung eurer Perspektiven.
Wir schaffen einen solidarischen und geschützten Raum (Safer Space), um über Rassismus, Diskriminierung und rechte Gewalt zu sprechen. An diesem Ort werden die gelebten Erfahrungen marginalisierter Gruppen nicht als bloße Berichte, sondern als echte gesellschaftliche Expertise und wertvolles Wissen verstanden.
Unsere Praxis: Wie wir diesen Raum füllen
Die Assembly bietet konkrete, offene Formate an, die auf vier Säulen basieren und bei denen du
dich aktiv einbringen kannst:
1. Creative Tools
Workshops für Erinnerung, Empowerment und Solidarität
Was passiert hier? Diese Workshop-Reihe verbindet politische Bildung direkt mit kreativer, künstlerischer Praxis. Hier entwickeln wir Werkzeuge, um eigene Geschichten sichtbar zu machen und uns gegenseitig zu stärken.
Hier findest du den Flyer für die Creative Tools Workshops in Deutsch, Englisch und Arabisch.

2. C.munities
Gemeinsam stark: Bedarfe erkennen, Strukturen bauen und zirkuläres Wissen teilen
Was passiert hier? Moderierte Treffen für internationale Vereine, Migrantenorganisationen und Communities aus Chemnitz, Sachsen und dem gesamten Bundesgebiet. Hier fließen eure praktischen Erfahrungen und unser strukturelles Wissen zusammen.
Das Ziel: Ihr meldet euch mit euren konkreten Herausforderungen und Zielen – wir bringen Ressourcen, Know-how, passende Angebote und wichtige Kontakte mit, um gemeinsam stabile Strukturen für eure Praxis aufzubauen.
Hier findest du weitere Informationen

3. Brücken bauen
Was passiert hier? Wir vernetzen und stärken migrantische Initiativen, teilen Ressourcen und übersetzen alltägliche Community-Erfahrungen in laute, politische Solidarität gegen Rechtsextremismus und Ausgrenzung.
Das Ziel: Genau dafür bilden wir aktive Brücken. Unter anderem durch gezielte Workshops und Dialogformate schaffen wir Räume für Annäherung, in denen ganz unterschiedliche Communities, Initiativen, Vereine und Ansichten zusammenkommen, sich austauschen und voneinander lernen und neue Anknüpfungen herstellen.
Hier findest du weitere Informationen

4. Barrieren abbauen
Was passiert hier? Echte Teilhabe funktioniert nur, wenn der Raum für alle offen ist. Wir bauen aktiv physische Barrieren ab, bieten mehrsprachige Übersetzungen an und teilen Wissen ganz ohne bürokratische oder institutionelle Voraussetzungen.
Warum ist das spannend für mich?
Die Assembly zeigt dir, wie unverzichtbar deine Geschichte und deine perspektivische Expertise sind. Hier kannst du zuhören, lernen, dich vernetzen und dich kreativ ausdrücken.
Uns geht es nicht um eine bequeme, scheinbare Harmonie. Die Assembly ist ein lebendiges, solidarisches Übungsfeld, um gemeinsam eine gerechtere Zukunft zu erstreiten und aktiv zu gestalten. Komm vorbei und bring deine Stimme ein.
Kontakt & Kooperation
Falls ihr Fragen zur Nutzung des Raums, zu Kooperationen oder zum Kennenlernen habt, könnt ihr uns jederzeit kontaktieren unter:
E-Mail: assembly[at]offener-prozess.de
Euer Assembly Team
- Was bedeutet „Epistemische Gerechtigkeit“?
Hintergrund: Der Begriff, maßgeblich geprägt durch die Philosophin Miranda Fricker (Epistemic Injustice, 2007), beschreibt das grundlegende Recht eines jeden Menschen, als glaubwürdige Wissensquelle anerkannt zu werden.
Unsere Praxis: In offiziellen Strukturen werden Erfahrungen marginalisierter Gruppen oft systematisch als „subjektive Berichte“ abgewertet. Für uns bedeutet dieser Begriff das Aufbrechen dieser ungleichen Machtverteilung: Wir etablieren gelebte Erfahrungen als fundierte gesellschaftliche Expertise, die für politisches Handeln unerlässlich ist.
↩︎ - Was ist „Institutionelles Schweigen“?
Hintergrund: Dieser Begriff beschreibt den Prozess, durch den Strukturen unangenehme Wahrheiten oder strukturelle Gewalt – wie im NSU-Komplex – aktiv verdecken, ignorieren oderaus dem öffentlichen Gedächtnis tilgen.
Unsere Praxis: Schweigen ist für uns kein passives Wegsehen, sondern ein aktives politisches Werkzeug der Entmachtung. Die Assembly bricht dieses Schweigen, indem wir Räume schaffen, in denen das, was institutionell „totgeschwiegen“ wurde, wieder besprechbar wird und in politische Evidenz transformiert werden kann.
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