Was ist bisher geschehen?

Im Folgenden werden Initiativen in Sachsen vorgestellt, die im Bereich der Aufarbeitung der NSU-Verbrechen aktiv sind. Sie sind geordnet unter den Rubriken Bildung, Kunst und Zivilgesellschaft. Dort finden Sie auch die Kontaktdaten. Um auf dieser Seite als Initiative mit aufgenommen zu werden, senden Sie bitte einen Titel, Bescheibung, Link und Kontakt an: vorstand@asa-ff.de

Bildung

„Unter den Teppich gekehrt… Das Unterstützungsnetzwerk des NSU in Sachsen“

Die studierte Soziologin und freiberufliche Referentin Hannah Zimmermann erarbeitete für das Kulturbüro Sachsen mit wissenschaftlichen Instrumenten eine umfassende Analyse der sächsischen Unterstützungsszene des NSU auf Basis der Protokolle und Abschlussberichte sämtlicher Untersuchungsausschüsse, den NSU-Watch Protokollen und Zusammenfassungen der Nebenklage sowie Zeitungsberichten und Fachliteratur. Zu der entstandenen Broschüre „Unter den Teppich gekehrt – Das Unterstützungsnetzwerk des NSU in Sachsen“ hält Frau Zimmermann sachsenweit Fachvorträge, welche den Themenkomplex NSU mit Blick auf zentrale Unterstützer:innen und den Stand des NSU-Prozesses in München sowie Prozesse der Aufarbeitung in den Untersuchungsausschüssen beleuchten. Daneben koordinierte sie die sachsenweite Themenreihe zum Thema NSU in Vorbereitung auf das NSU Tribunal zwischen März und Mai 2017. Ehrenamtlich betätigt sie sich des Weiteren bei NSU Watch.

StuRa TU Chemnitz

Kontakt: antidis@tu-chemnitz.de

Das Referat Antidiskriminierung des StuRa der TU Chemnitz thematisiert in der universitären Öffentlichkeit in Chemnitz mit verschiedenen Veranstaltungsformaten Themen wie Rassismus, Flucht und Asyl, Klassismus sowie weitere Diskriminierungsformen. 2015 wollte das Referat die Ausstellung „Die Opfer des NSU und seine Aufarbeitung“ auf dem Universitätsgelände zeigen, aus unterschiedlichen Gründen wie einer unterstellten Unwissenschaftlichkeit der Ausstellung wurde dies jedoch in letzter Minute unmöglich gemacht und die Ausstellung musste an der Volkshochschule gezeigt werden. Außerdem wurde die Ausstellung „Versagen mit System“ in Chemnitz sowie über das Studentenwerk Zwickau in Zwickau gezeigt, zur Eröffnung war Hajo Funke und ein Macher der Ausstellung geladen.

Lehrbeauftrage Jane Viola Felber und studentische Seminargruppen

Jane Viola Felber, die als mobile Beraterin gegen Rechtsextremismus für das Kulturbüro Sachsen die Fachberatung für das Theatertreffen übernahm, führte als Lehrkraft bereits am Zentrum für Konfliktforschung, Philipps-Universität Marburg (SoSe 2017) und am Institut für Europa-Studien, TU Chemnitz (WiSe 2017/18) das Seminar „Zwischen Zäsur, Gras und blinden Flecken – Der NSU-Komplex und dessen Aufarbeitung in Deutschland“ durch. In den von ihr durchgeführten Seminaren erarbeiten sich die Studierenden zentrale Themen und Fragestellungen des NSU-Komplexes mit Blick auf Täter:innen, Opfer und Angehörige, die Rolle der Behörden und setzen sich mit den wissenschaftlichen Perspektiven auf den NSU-Komplex auseinander. Frau Felber zielt in ihrer Seminarkonzeption neben der wissenschaftlichen Auseinandersetzung der Studierenden mit dem Thema auch auf den Austausch der Seminargruppen mit Praxispartner:innen. So besuchten die Marburger Studierenden das NSU-Tribunal in Köln. In Chemnitz kooperierten die Studierenden mit der Geschichtswerkstatt Trafo, besuchten den sächsischen Untersuchungsausschuss und sprachen mit NSU Watch Sachsen. Sie war Gast auf mehreren Podien und Konferenzen zum Thema.

Jörg Banitz: Perspektive der Schulsozialarbeit

Kontakt: joerg.banitz@gemeinsamzieleerreichen.de
Jörg Banitz
Gemeinsame Ziele erreichen e.V.

Jörg Banitz ist Schulsozialarbeiter und zugleich Sachverständiger für den NSU- Untersuchungsausschuss für die rechte Szene in Zwickau und Umgebung. Die Schulsozialarbeit war eingebunden im Theaterprojekt „Unentdeckte Nachbarn“ und veranstaltet jährlich Projekttage zum Thema NSU und Rechtsradikalismus. Dabei sind sie Teil eines Netzwerks von regionalen Initiativen (Bündnis für Demokratie und Toleranz im Landkreis Zwickau), so dass bei den Projekttagen eine relativ breite Themenpalette erfasst werden kann (Zeitzeugengespräche, Filmveranstaltungen, Diskussionsrunden, Geschichtsprojekte außerhalb der Schule: z.B. Die Geschichten hinter den Stolpersteinen in Zwickau). Diese Aktionen laufen seit 3 Jahren und zweifellos war der bisherige Höhepunkt das Theatertreffen „Unentdeckten Nachbarn“. Hier ist es besonders das Netzwerk im Rahmen der Bündnisse für Bildung sowie die Zusammenarbeit mit den Grass Liftern, welches den Aktionen eine besondere Öffentlichkeit gibt.

Kunst

Unentdeckte Nachbarn

Kontakt: Jane Viola Felber, jane.felber@unentdeckte-nachbarn.de

Im November 2016, 5 Jahre nach der Selbstenttarnung des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU), haben wir als Gruppe von Theatermacherinnen, Konfliktforscherin und Verwaltungswissenschaftler das Theatertreffen „Unentdeckte Nachbarn“ in Chemnitz und Zwickau organisiert. „Unentdeckte Nachbarn“ zielte darauf, die Kontinuitäten des NSU-Unterstützungsumfeldes sichtbar und die Betroffenenstimmen hörbar zu machen. Es vernetzte kommunale, regionale und bundesweite Erinnerungsinitiativen an den Schnittstellen zwischen Kultur, Zivilgesellschaft und Wissenschaft. Zielstellung war die Eröffnung kreativer Handlungsräume zur kritischen Begleitung der Aufarbeitungsprozesse auf juristischer, parlamentarischer, institutioneller und kultureller Ebene in Sachsen. Das Nachfolgeprogramm neue unentd_ckte narrative entwickelt die Methode der Kreativen Diskurstransformation weiter. Das Theatertreffen wurde initiiert von den Grass Liftern – Kunstaktivisten, die über die Verbrechen des NSU „kein Gras wachsen lassen wollen“ und durch gezielte Interventionen immer wieder öffentliche Diskussionen in Sachsen provozieren. Der ASA FF e.V. (Baujahr 1979) versteht sich als Plattform für aktuelle Diskurse rund ums Globale Lernen. Die über 160 Mitglieder des ASA FF sind über den Globus verstreut und in unterschiedlichsten Führungspositionen & Branchen tätig – Wirtschaft, Forschung, Kultur, Nichtregierungsorganisationen, Verwaltung und internationale Organisationen.

Preise:

Chemnitzer Friedenspreis (Chemnitz, 2017)
Anerkennungspreis, Sächsischer Förderpreis für Demokratie (Dresden, 2013 & 2017)
Bertinipreis für das im Rahmen von „Unentdeckte Nachbarn“ entstandene bundesländer-übergreifende Schultheaterprojekt „Rosarot ist eine Mischfarbe“ (Hamburg, 2016)
Erster Preis der Jugendjury des Wildwechselfestival TJG Dresden für das im Rahmen von „Unentdeckte Nachbarn“ entstandene „Beate Uwe Uwe Selfie Klick“ (Gerhild Steinbuch, UA) (Dresden, 2017); sowie Einladung zum Heidelberger Stückemarkt (2017)
Preis: Aktiv für Demokratie und Toleranz – gegen Extremismus und Gewalt, Bündnis für Demokratie und Toleranz (Bundeszentrale für politische Bildung, Leipzig, 2015)

Rosarot ist eine Mischfarbe

Kontakt:

Trailer: https://vimeo.com/182386727

Das theaterpädagogische Projekt „Rosarot ist eine Mischfarbe“ dokumentiert die prozessorientierte Auseinandersetzung von Schüler*innen in Hamburg, Chemnitz und Zwickau zum NSU-Komplex.

Die Schüler:innen greifen während des Stücks nicht nur die Dialoge des Prozesses auf, sondern reflektieren und hinterfragen den Ablauf des Prozesses als auch die Taten des NSU. Hierbei liegt der Fokus auf der Entwicklung einer Haltung der beteiligten Schüler*innen, die der zentralen Frage nachgehen, was rechtsradikale Strukturen mit unserer Gesellschaft „machen“. Muster von menschenfeindlichen Einstellungen erkennen und im besten Fall präventive Einstellungen entwickeln, sind Ziele der städte-übergreifenden Produktion. Durch die im Prozess der Erarbeitung entstandenen Einsichten entstehen idealerweise Verknüpfungen, die den Bezug zum eigenen Lebensumfeld herstellen. Hierzu gehört auch das Fragen nach der gesellschaftlichen Rolle der Beteiligten (Justiz, Polizei, Anwälte, Opfer, Täter, Politik, Zivilgesellschaft) sowie die Verortung der eigenen Person. Grundlage für die szenische Auseinandersetzung bilden die Protokolle des Münchener Prozess. Daran anschließend finden gemeinsame Besuche an den jeweiligen Tatorten und Originalplätzen der Täter in Hamburg, Zwickau und Chemnitz statt sowie Treffen mit Zeitzeugen. Die Protokolle wurden bereits von einigen Theatern szenisch gelesen (Süddeutsche Zeitung Magazin: „Der NSU-Prozess als Film“), jedoch ist dies von einer Schülergruppe bisher nicht bekannt. Junge Erwachsene setzen sich mit ihrer gesellschaftlichen Rolle auseinander und bekommen Raum, um ihre Erfahrungswelt szenisch umzusetzen. Hierzu gehört auch, dass die Schüler*innen ihre Muttersprache einsetzen, die oftmals nicht Deutsch ist, da ein hoher Anteil der teilnehmenden Schüler*innen einen Migrationsvordergrund hat.

Aus Hamburg, Chemnitz und Zwickau trafen im Rahmen des Theatertreffens Schüler:innen aufeinander, probten und präsentierten ihren Dialog szenisch. Im Anschluss besuchten sie gemeinsam Theaterstücke und reflektieren die Eindrücke in der Gruppe auch medial. Die Ergebnisse wurden daraufhin zusammengetragen und im geschützten Rahmen präsentiert. Das Schülerproduktion „Rosarot ist eine Mischfarbe“ entstand in Zusammenarbeit mit der Stadtteilschule am Hafen in Hamburg, dem JungenSchauSpielHaus Hamburg, die Theater Chemnitz und Zwickau-Plauen.

Beate Uwe Uwe Selfie Klick

Kontakt:
Gundula Hoffmann
Direktorin Figurentheater
Städtische Theater Chemnitz gGmbH
www.theater-chemnitz.de

Email: hoffmann@theater-chemnitz.de
Telefon: 0371 – 6969 701

Das Theaterstück „Beate Uwe Uwe Selfie Klick“ ist eine Produktion des Figurentheater Chemnitz in Kooperation mit dem Schauspiel Chemnitz mit der Textfassung von Laura Linnenbaum und Texten von Gerhild Steinbuch sowie dokumentarischem Material. Mit dem Theaterstück wurde ein spielerischer Umgang mit dokumentarischem Material, Zitaten, Textfragmenten etc. geschaffen, welcher gesellschaftliche Zusammenhänge und strukturelle Verantwortung von Behörden und Politik im NSU-Komplex künstlerisch sichtbar macht. „Beate Uwe Uwe Selfie Klick“ war im Rahmen des Heidelberger Stückemarkts 2017 im Zwinger 1 in Heidelberg zu sehen. Damit wurde diese Chemnitzer Produktion ins Gastspielprogramm eines der bedeutendsten Festivals der Bundesrepublik in puncto Neue Dramatik aufgenommen. Als Produktion, die sich auch mit den lokalen Bedingungen und regionalen Bezügen des NSU auseinandersetzt, ist das Stück ein wichtiger Beitrag zur künstlerischen Aufarbeitung des NSU und stellt gleichsam ein Beispiel für die Möglichkeiten kooperativen Zusammenarbeitens dar, wie die Begleitung und Beratung durch die Grass Lifter zeigt. Darüber hinaus erhielt das Theaterstück den 1. Preis der jugendlichen Fachjury des „Wildwechsel“-Festivals in Dresden.

Sternendekorateure

Kontakt:

Die Kunstgruppe „Sternendekorateure“ aus Zwickau schuf zum 5. Jahrestag der Selbstenttarnung des NSU Gedenkbänke, die als künstlerische Gedenkinterventionen im öffentlichen Raum auf die Leerstelle eines Denkmals oder Erinnerungsortes in der Stadt Zwickau an die Opfer des NSU aufmerksam machen sollten. Es kam zu drei Attacken auf die Gedenkbänke, welche während des Jahrestags der Selbstenttarnung des NSU im November 2016 im öffentlichen Raum in Zwickau ausgestellt waren. Die Gedenkbänke existieren weiterhin und wird als Beitrag der Zwickauer Initiative am Tag der Urteilsverkündigung nach München gebracht.

Henrike Naumann

Kontakt: www.henrikenaumann.com

Die aus Zwickau kommende Künstlerin hat mit der Installation „Triangular Stories“ (2012) eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem NSU geschaffen, in der sie der Ikonologie der Zwickauer Terrorzelle nachgeht. In der Folgeinstallation „Unbetitelt“ (2013) recherchierte die Künstlerin die Biografien derjenigen, die in den 90er Jahren als Nazis in Zwickau präsent waren. Die festgestellten Kontinuitäten in der rechten Szene und die stete ideologische Verbundenheit verarbeitete sie mit einer Kabinettinstallation aus vier kleinen Zellen, Kristallisationspunkt ist dabei ein familiärer Neonazinukleus mit Blick auf die Behausung der Neonaziideologie. Frau Naumann war ebenfalls an der Umsetzung des Theatertreffens „Unentdeckte Nachbarn“ beteiligt.

Grass Lifter

Kontakt: grassliftingcamp@gmail.com
www.grass-lifter.de

Die Kunst- und Aktionsgruppe Grass Lifter gründete sich als Künstler:innengruppe mit dem Ziel, Aufarbeitung, Erinnerung und Aufklärung über den NSU in Zwickau, Chemnitz und Sachsen zu stärken. Ausgangspunkt der künstlerischen Aufarbeitungsformen war der Abriss des letzten Wohnortes des NSU in der Zwickauer Frühlingsstraße und die Feststellung, dass kein Gras über die Sache und die vielen Ungeklärtheiten wachsen sollte. Dazu wurden über die Jahre verschiedene Kunstformen gewählt, die darauf zielten, die Orte der Täter:innen in Beziehung zu ihrem Umfeld zu setzen und den Dialog in der Gesellschaft zu zentralen Fragen wie der Verhinderung künftiger Terrorzellen und Verbrechen in Gang zu setzen.

Zivilgesellschaft

NSU Watch Sachsen

Kontakt: sachsen@nsu-watch.info
Web: NSU Watch Sachsen

Bundesweit entstand mit Beginn des NSU-Prozesses eine ehrenamtliche Struktur von NSU-Watch-Gruppen, die den NSU-Prozess tagtäglich begleiten und dokumentieren und zugleich in den Untersuchungsausschüssen der Bundesländer sowie des Bundestages die parlamentarischen Prozesse der Aufarbeitung begleiten und dokumentieren. NSU Watch Sachsen gründete sich 2015 und dokumentiert seitdem die monatlichen Sitzungen des Untersuchungsausschusses und veröffentlicht diese auf der eigenen Homepage. NSU Watch kritisiert, dass es ein sehr geringes öffentliches Interesse an dem Untersuchungsausschuss und seinen Ergebnissen gibt, die Ausschusssitzungen sind kaum besucht und auch Vertreter:innen der Presse sind selten anwesend.

Fachstelle Jugendhilfe Kulturbüro Sachsen

Kontakt:
Bautzner Str. 45
01099 Dresden
Telefon: 0351 – 563 556 30
Fax: 0351 – 563 40 898

Danilo Starosta
danilo.starosta@kulturbuero-sachsen.de

Die Fachstelle Jugendhilfe des Kulturbüro Sachsens ist bereits auf unterschiedlichen Ebenen zum Themenkomplex NSU aktiv. Hauptschwerpunkt ist dabei die Beratung und Begleitung der Geschichtswerkstatt Chemnitz und Zwickau. Ebenso organisiert die Fachstelle Jugendhilfe die Entwicklung einer App, mit welcher in Chemnitz Ortsbegehungen zu Orten mit NSU-Bezug ermöglicht werden sollen. Darüber hinaus wollen verschiedene Gruppen in Sachsen mit lokalen Bezügen zum NSU die App mit Informationen bereichern aus ihren Regionen. Darunter fallen Zeitzeug:inneninterviews, Audioaufnahmen sowie Texte und Bilder, welche Gruppen in Zwickau, Chemnitz, Johanngeorgenstadt und Dresden zur Verfügung stellen. Mit der App können somit in verschiedenen Städten selbstorganisierte Stadtrundgänge zur Aufarbeitung des NSU mit Blick auf die lokalen Bezüge stattfinden.

Geschichtswerkstatt Trafo

Kontakt: https://www.facebook.com/GeschichtswerkstattJAuTrafo

Die Geschichtswerkstatt Trafo ist ein Kooperationsprojekt der Mobilen Jugendarbeit Chemnitz und der Fachstelle Jugendhilfe des Kulturbüro Sachsens, welche den Prozess der Aufarbeitung sozialräumlicher Bezüge zum NSU durch Schüler:innen und Studierende in Chemnitz begleiten. Die Geschichtswerkstatt erstellte eine umfangreiche Ausstellung zu Orten mit NSU-Bezug in Chemnitz, führte Zeitzeuginneninterviews und konnte auf dem NSU Tribunal in Köln 2017 sowohl einen Workshop halten als auch die Ausstellung zeigen. Die Geschichtswerkstatt ist ein wesentlicher Akteur in der Aufarbeitung der Rolle der Stadt Chemnitz für das Unterstützungsnetzwerk des NSU und stellt ein hervorzuhebendes Kooperationsprojekt dar, welches für eine langfristige Auseinandersetzung mit dem Thema steht und die Sensibilisierung von Schülerinnen und Studierenden ermöglicht.

Bündnis Bunter Brühl

Kontakt:

Das Bündnis Bunter Brühl gründete sich Anfang März 2012 in Reaktion auf einen Laden namens „brevik“, der die bei Rechtsextremen beliebte Modemarke Thor Steinar vertreibt und mit der Namensgebung stark an den rechtsextremen Massenmörder Breivik erinnerte. Mit vielfältigen Aktionen, die verschiedene Akteure einbeziehen und unterschiedliche Zielgruppen ansprechen, protestiert das Bündnis seitdem gegen das Geschäft in einem Stadtviertel, welches zunehmend familiär und studentisch belebt werden soll. Zudem engagiert sich das Bündnis für die Sensibilisierung der Anwohner und die Aufklärung über Codes der rechtsextremen Szene. Im Jahr 2012 wurde es vom „Bündnis für Demokratie und Toleranz – gegen Extremismus und Gewalt (BfDT)“ mit einem Preis für zivilgesellschaftliches Engagement geehrt. Im Jahr 2013 organisierte das Bündnis eine Gedenkveranstaltung an die Opfer des NSU und betonte, dass sich rechtsextreme Strukturen in Chemnitz verstetigen konnten, die eine Unterstützungsstruktur für den NSU darstellten.

Roter Baum

Kontakt: René Hahn
rene.hahn@dielinke-zwickau.de

Der Rote Baum Zwickau initiierte nach der Selbstenttarnung des NSU das Konzert mit Thementag mit dem Titel „If the kids are united against racism“. Ziel war es zu zeigen, dass in Zwickau auch Menschen mit anderer weltoffener Einstellung aktiv sind. Dabei fokussierte der Rote Baum Kultur- und Bildungsarbeit. Beteiligt an der Veranstaltung waren v.a. die Gewerkschaften (DGB und IG Metall) und der Jugendverein Roter Baum, bei den ersten fünf Veranstaltungen war außerdem das Freizeitzentrum Marienthal, eine städtische Jugendeinrichtung, beteiligt, die sich aufgrund anderer Prioritäten dann zurückzogen. Bei der 5. und 6. Auflage war die Westsächsische Hochschule beteiligt. Bei der Veranstaltung „If the kids are united aganist racism“ werden in der Regel 2 Vorträge sowie Diskussion gehalten, ein Theaterstück vorgeführt und es traten verschiedene Musiker:innen auf, die sich bei dem Thema beteiligen wollten.

Die Initiator:innen des Projekts stellen fest, dass im Kontakt mit Verwaltungsebenen und Politik viele Akteur:innen das Thema nicht als wichtig einordnen oder dem Team gezielt Steine in den Weg legten. So folgte ein CDU-Landtagsabgeordneter, der selbst im Untersuchungsausschuss zum NSU sitzt, der Einladung zur Diskussionsveranstaltung nicht, obwohl ihn sein Kreisverband dazu ausgewählt hatte.

Der Rote Baum fordert, dass ein würdiger Rahmen zur Gedenkkultur gefunden wird, denn die Resonanz auf die Gedenkbänke zeigt die Wichtigkeit, den Bedarf und Anklang. Ein fester Gedenkort wäre aus Sicht des Trägers ein Meilenstein bei der Verstetigung des Themas in der Gesellschaft.
Daneben benennen die Mitarbeitenden das Ziel, ein Dokumentationszentrum zum Themenkomplex NSU in Zwickau zu installieren. Dadurch würde die Qualität der Aufarbeitung steigen und die nachhaltige Sicherung der Ergebnisse gewährleistet sein. Daneben würde der Zugang für Schulen und Bildungsprojekte zu den gesammelten Informationen erleichtert werden. Dadurch könnte ein wichtiger Beitrag dazu geleistet werden, um solchen Gewalttaten entgegenzuwirken und eine friedlich zusammenlebende Zivilgesellschaft zu stärken.

Arbeitsgruppe Chemnitzer Friedenstag / Aktion C

Kontakt: Gerald Richter
aktionc@gmx.de

Aktion C hat sich 2011 nach den Ereignissen zum Chemnitzer Friedenstag gegründet, als Neonazis den Chemnitzer Friedenstag für einen Aufmarsch missbrauchten und stundenlang das gesamte Stadtzentrum blockierten. Es war klar, dass das nicht noch einmal passieren sollte, dass es dazu den Widerstand der Bürger der Stadt braucht, Aufklärungsarbeit und Bündnisse verschiedener Gruppen.

Zusammen mit der Landeszentrale für politische Bildung wurden von Aktion C in Kooperation mit der Volkshochschule Vorträge im Veranstaltungssaal des Tietz angeboten. In Vorbereitung auf den Chemnitzer Friedenstag 2012 ist Aktion C an Schulen, Kindergärten und Jugendeinrichtungen mit dem Angebot herangetreten, Plakate für den Chemnitzer Friedenstag zu gestalten, die dann an Bauzaunfeldern aufgehängt wurden. Im ersten Jahr hatten sich 23, im 2. Jahr schon über 50 Einrichtungen beteiligt. Innerhalb von 2 Jahren wurden schon über 600 m Plakate für Demokratie und Toleranz – gegen Intoleranz und Neofaschismus gestaltet. Zum Tag für Demokratie und Toleranz am 16.04.2013 wurden alle Plakate an Bauzaunfeldern in einer Plakatmeile entlang der inneren Klosterstraße und vor der Jakobikirche präsentiert. Ein Podiumsgespräch in der Jakobikirche mit Jugendlichen hatte das Thema des aufkommenden Neofaschismus „Mein Freund – ein Nazi“ zum Inhalt.

Als nach dem Überfall auf die Eisenacher Sparkasse das NSU-Trio aufflog, das Ausmaß der Verbrechen und das Versagen der Behörden immer deutlicher wurde, war NSU ein Dauerthema in der Projektarbeit mit Schülerinnen. Gleichzeitig verlagerten die Neonazis ihre Aufmärsche weg vom Friedenstag auf eine über das ganze Jahr verteilte Dauerpräsenz.

Im Zusammenhang mit dem Anstieg der Zahlen Geflüchteter kam es zu einem bemerkbaren Anstieg zahlreicher Aufmärsche und Kundgebungen von Neonazis oder CEGIDA vor der Erstaufnahmeeinrichtung von Asylsuchenden und anderen Unterkünften für Geflüchtete. Es wurde für die Aktion C immer wichtiger, aufzuzeigen, dass das NSU-Trio aus diesen Kreisen erwachsen ist und gerade in Chemnitz untertauchen konnte, weil es hier so viele Unterstützer:innen und Radikale gab. In einem 30 m langen Zeitstrahl wurden die Verbrechen des NSU chronologisch aufgelistet. Aktion C hat mehrfach Mahnwachen vor der Erstaufnahmeeinrichtung am Adalbert-Stifter-Weg angemeldet, damit Aufmärsche von Neonazis nicht bis vor die Erstaufnahmeeinrichtung ziehen konnten. Von Aktion C angemeldete Mahnwachen fanden auch im Stadtzentrum statt. Aktion C hat auch Anmeldungen anderer Gruppen durch Großplakate und den Zeitstrahl unterstützt.

2015 war das Thema NSU inhaltlicher Schwerpunkt des Chemnitzer Friedenstages. Gegenstand der Friedensimpulse war eine Lesung + Podiumsdiskussion im Großen Saal des Schauspielhauses am 25.02.15 mit dem Thema „NSU – Unsere Nachbarn in Chemnitz“. Ester Dischereit, die Verfasserin der Klagelieder „Blumen für Otello“ war zu einer Lesung eingeladen, die zeitlich versetzt von İpek İpekçioğlu in türkischer Sprache vorgetragen wurden. Das Anliegen war dabei, von der Sicht auf die Täter:innen mit künstlerischen Ausdrucksmitteln auf die Sicht auf die Opfer zu kommen, die durch die deutschen Behörden jahrelang verdächtigt und bespitzelt wurden und Falschaussagen ausgesetzt waren. Der 30 m lange Zeitstrahl lag vor dem Schauspielhaus ausgerollt, so dass die Besucher beim Abschreiten der Vliesbahn die zeitliche Länge der Verbrechensserie vor Augen hatten.
Der Zeitstrahl, von dem es drei Ausfertigungen gab, wurde am Chemnitzer Friedenstag auch auf dem Neumarkt ausgerollt und spielte auch beim Täterspuren-Rundgang eine Rolle. Das Jugendtheater der Stadt hat den Rundgang begleitet und an den Orten kleine Straßentheaterszenen aufgeführt.

Ein Jahr später zum Chemnitzer Friedenstag 2016 hat das Thema NSU Berücksichtigung bei den „Reimen gegen Rechts“ im Rathausfoyer gefunden. Seit 2012 gibt es diese Veranstaltung von Aktion C in Zusammenarbeit mit der Städtischen Musikschule Chemnitz und dem Jugendtheater der Stadt.

2016 wurden Texte aus Barbara John „Unsere Wunden kann die Zeit nicht heilen“ verlesen, bei der Opfer des NSU über ihre unmittelbaren Erlebnisse nach den Morden und ihre Erfahrungen mit Behörden sprechen.

Bündnis für Demokratie und Toleranz der Zwickauer Region

Kontakt: Matthias Bley | Projektkoordinator
Zwickauer Partnerschaft für Demokratie
Alter Gasometer e.V.
Kleine Biergasse 3
08056 Zwickau
Telefon: 0375 | 277 21 17
Fax: 0375 | 277 21 12
matthias.bley@alter-gasometer.de

Das Bündnis ist ein wichtiger Akteur für Demokratiearbeit in der Zwickauer Region. Die Auseinandersetzung mit dem NSU erfolgte in dem Bündnis durch die jährlich stattfindenden Novembertage, bei denen Veranstaltungen zur Aufarbeitung des NSU stattfinden. Auch mit Blick auf Veranstaltungen und Aktionen zum Tag der Urteilsverkündung im NSU-Prozess ist das Bündnis in die Vorbereitung, Vernetzung und finanzielle Unterstützung eingebunden. Zu den Aktivitäten im Bereich der NSU- Aufarbeitung zählen u.a.:

• Beteiligung am Theatertreffen „Unentdeckte Nachbarn“ zu den Novembertagen 2016
• Ausstellung und Vortrag „Die Opfer des NSU und die Aufarbeitung der Verbre- chen“ von Birgit Mair zu den Novembertagen 2016
• Mehrere Podiumsdiskussionen bei den alljährlich stattfindenden Demokratietagen
• Podiumsdiskussionen z.B. mit Petra Pau zum Bundestagsuntersuchungsausschuss
• Vorstellung Broschüre „Unter den Teppich gekehrt“ zu den Novembertagen 2017
• Kunstaktion passend zur Vorstellung der Broschüre November 2017

Im Dezember 2018 hat das Bündnis in Kooperation mit dem Kulturbüro Sachsen e.V. eine Geschichtswerkstatt zur Aufarbeitung der NSU-Taten in der Region gegründet. Ende Januar fuhr zum Auftakt eine 26-köpfige Schülergruppe aus Zwickau nach München zum Prozess, im Vorfeld wurde ein Aufruf an Schulen gestartet. Über das Jahr wird eine mobile Ausstellung erarbeitet, die an Schulen in der Region gezeigt wird.